Rechtsordnung im Finnland-Lexikon

Bis zum schwedisch-russischen Krieg im Jahre 1808-1809 galt in Finnland dieselbe Rechtsordnung wie im übrigen Schweden unter dessen Herrschaft es bis dahin gestanden hatte. Privatrecht, Strafrecht und Prozessrecht wurden durch eine Gesetzgebung aus dem Jahre 1734 geregelt. Nachdem Finnland an das russische Reich angegliedert wurde, durfte es seine schwedischen Gesetze zunächst behalten. Der russische Zar weigerte sich lange Zeit, eine gesetzgebende Ständevertretung einzuberufen. Damit gebot er der Rechtsentwicklung Einhalt und das finnische Rechtssystem drohte deshalb zu veralten. Der Gesetzesauslegung kam zwangsläufig eine immer größere Bedeutung zu. Erst im Jahre 1860 durfte der Reichstag seine Gesetzgebungsarbeit wieder aufnehmen, nicht, ohne dabei mit einer langen Reihe von Auflagen belegt worden zu sein.

Mit der einsetzenden Industrialisierung wurden neue Gesetze nötig, die sich zumeist an die schwedische Rechtsordnung anlehnten oder sich doch zumindest an ihr orientierten. Nachdem Finnland im Jahre 1917 selbstständig wurde, war die Rechtsfortbildung noch immer ein wenig blockiert. Das lag hauptsächlich an den strengen Auflagen, die für die Mehrheitsverhältnisse im Gesetzgebungsverfahren gefordert wurden. Finnlands Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft stellte einen größeren Einschnitt im Rechtssystem dar, denn auch Finnland musste sein nationales Recht dem europäischen Gemeinschaftsrecht anpassen. Doch schon vor dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft entsprachen viele finnische Gesetze dem Standard der entsprechenden gemeinschaftsrechtlicher Normen, was den zahlreichen und umfangreichen Handelsbeziehungen stets förderlich gewesen war. Finnland gehörte zudem von Beginn an dem Euroverbund an und trat im Jahre 2001 dem Schengener Abkommen bei. Das nationale Finnische Recht ist den gemeinschaftsrechtlichen Richtlinien heute weitestgehend angepasst.



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