Schulsystem im Finnland-Lexikon

Das Schulsystem in Finnland unterscheidet sich vom Deutschen in wesentlichen Punkten. Zwar sind Schulträger auch hier in der Regel die Gemeinden, aber die Lehrkräfte sind kein Beamte. Sie werden nach Bedarf eingestellt und können entsprechend auch wieder entlassen werden. Für uns ist kaum vorstellbar, in Finnland jedoch normal: rund 40 Prozent der Schulen haben weniger als 50 Schüler. Man kann sich gut vorstellen, wie intensiv dadurch die individuelle Förderung des Einzelnen ausfällt. Hinzu kommt, dass Eltern sich die Schule ihres Kindes aussuchen können. Die Schulpflicht ist nicht wie in Deutschland vom Wohnort abhängig. Die „Schulfabriken“ unseres Landes gibt es in Finnland auch, aber sie machen nur 3 Prozent aller Schulen aus, so dass die damit verbundenen Probleme statistisch nicht ins Gewicht fallen. Die Schulpflicht beginnt mit dem 7. Lebensjahr und endet in der 9. Klasse.

Die erste Schule ist die so genannte Unterstufe, die sechs Jahre umfasst. Die zweite Schule ist die Oberstufe. Die führt vom 7. bis ins 9. Schuljahr und umfasst damit drei Jahre. In Finnland gibt es keine Sonderschulen und es kommt selten vor, dass Schüler ein Schuljahr wiederholen müssen. Nach dieser so genannten Grundschule gibt es eine weiterführende Schule, die nach einem Kurssystem arbeitet. Wann die Schüler hier das Abitur erhalten, hängt von ihrem jeweiligen Wissensstand ab. Das Abitur zu machen kann also genauso gut zwei wie auch vier Jahre dauern, je nach persönlicher Begabung und Einssatz. Neben der Schulleitung, den Klassenlehrern und Fachlehrern gehören zum Schulpersonal eine Schulschwester, eine Kuratorin, eine Psychologin und eine Speziallehrerin. Hinzu kommen Unterrichtsassistenten und das Küchenpersonal, denn in Finnland erhalten die Schüler mittags eine warme Mahlzeit.

Schulpersonal

Schulpersonal wie in Finnland, ist bei uns nicht üblich. So gibt es bei uns zum Beispiel keine Schulschwester. Schulschwestern sind gelernte Krankenschwestern mit einer zusätzlichen Ausbildung für vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen. Die Kuratorin ist für sozialpädagogische Aufgaben zuständig. Stress im Elternhaus, Ärger innerhalb rivalisierender Gruppen, Schulschwänzer – all das sind Angelegenheiten, die den Unterricht des Lehrpersonals in Finnland weitaus weniger belasten, als bei uns. Denn diese Probleme werden nicht einem diesbezüglich mehr oder weniger begabten Klassen- oder Fachlehrer überlassen, sondern einer darin ausgebildeten Fachkraft. Lehrer werden also nicht allein gelassen und die Kinder schon gar nicht. Macht ein Kind besondere Probleme, wird das in der Spezialkonferenz zum Thema gemacht. Zuvor hat die Speziallehrerin dem Unterricht beigewohnt, um die Probleme richtig einordnen zu können. Ihr Ausbildung ist umfangreich und führt von der Klassenlehrerin mit Praxiserfahrung über die Universität zurück in die Schule. Die Speziallehrerin verfügt über psychologisches Grundlagenwissen. Schwache Schüler erhalten unter Umständen Einzelunterricht, bis sie dem allgemeinen Unterricht wieder folgen können. Für Problemkinder wird in der Spezialkonferenz ein Konzept entwickelt und es wird regelmäßig thematisiert, ob dieses Konzept greift oder weitere fördernde und schützende Maßnahmen erforderlich sind. Sollten nicht körperliche Ursachen oder ein Mangel an Begabung Grund für die vorhandenen Probleme sein, kommen noch rein seelische Probleme als Ursache in Frage. Hier sind Klassenlehrer oft heillos überfordert. Darum haben die finnischen Schulen eine Schulpsychologin, die zwar keine therapeutischen Maßnahmen ergreift, sondern diese höchstens einleitet, die jedoch bei der Bewältigung normaler Kümmernisse Entscheidendes leistet. Die Schulpsychologin steht unter Schweigepflicht und ist somit eine vertrauenswürdige Adresse für die Schülerinnen und Schüler, die hier offen über ihre Probleme sprechen und sich Rat und Hilfe holen können.


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Text (c) 2017: C. H.

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